Durch Zufall las ich heute in DER SPIEGEL vom 13. Dezember 2010: „In Krisen werden Kanzler gemacht. Oder Regierende und Erste Bürgermeister.“ ‚Schade, dass wieder einmal im Dunklen bleibt, wie viele Krisen durch Regierende verursacht werden’, dachte ich eingedenk des im letzten Jahr überwiegend harmonischen Zusammenwirkens von Schwarz und Gelb zunächst belustigt. Aber es ging gar nicht um die Bundesregierung, sondern um den Nutzen, den etwa die Regierung des Landes Berlin im Falle eines erfolgreichen Krisenmanagements bei den anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus aus einem schneereichen Winter ziehen könnte. Seit Anfang 2010 wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass im Zeitalter von Globalisierung, iPod und Internet eine Naturkatastrophe vorliegt, wenn im Winter (viel) Schnee fällt. Diesmal hat sich das kühle Nass sogar erdreistet, bereits zum meteorologischen Winteranfang auf die Erde niederzurieseln – wie gut, dass es in Berlin seit November „ein aufgepepptes Straßenreinigungsgesetz“ (StrRG) gibt. Die ersten, noch vor dem kalendarischen Winteranfang gesammelten Eindrücke lassen befürchten, dass die zahlreichen Gesetzesänderungen zurzeit praktisch nur geringe Auswirkungen haben. Allen, die in den nächsten Monaten witterungsbedingt wieder in ihrer Mobilität eingeschränkt werden oder unglücklich ausrutschen, sei daher die Lektüre von § 1 Abs. 4 des StrRG ans Herz gelegt, der feinsinnig zwischen „Eisglätte“ und „Eisbildung“ unterscheidet. Ich wünsche mir und uns allen in diesem Jahr viele sonnige Stunden – und keine „Katastrophen-Regierung“.
